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Montag, 25. Januar 2016

Von Beobachtungen am Menschen im Himalaya.

Einst unterwegs im höchsten Gebirge der Welt.
Keines leichten Schrittes zog sich mein Weg schnappatmig durch die bergige Welt in dieser Ecke Asiens. Ich reiste in einer Gruppe auf den Wegen vieler, allerdings sind diese Pfade mit keinem Schritt ausgetreten. Sie sind ein täglich Brot für die Menschen, die hier leben. Ich wollte weit weg.  In unserer Welt sind wir abgeschirmt durch Handys, Bildschirme und Kopfhörer. Wir wollen vieles nicht sehen, nicht hören, wollen unterhalten und abgelenkt werden. Ich weiss das die Sherpa ihre Realität leben und wir die unsere aber ich bin auf der Suche nach mehr, als nur Realität. Mit dem Beginn meiner Reise suchte ich in Nepal nicht nur Bewegung. Ich suchte Antworten auf meine Fragen. Sind die Menschen in anderen Regionen der Erde ähnlich? Oder finden wir noch Völker in Einfachheit lebend? Nun, „Einfachheit“ ist ein relativ dehnbares Wort. Wohl kaum eine Ecke der Welt funktioniert nicht auf einem Prinzip des Verdienstes durch Tätigkeiten, um seine Familie zu ernähren. Doch ist dies überall das Gleiche?
Ich reiste in das Khumbu-Gebiet. Es wird auch das Land der Sherpas genannt. Die legendären Routen der Bergsteiger und Abenteurer welche immer im Vordergrund stehen. Die eigentlichen Helden dabei so gut wie nie erwähnt. Ich wollte einen Einblick gewinnen in eine für uns andersartige Welt. Eine Welt das Tragens, auch wenn es heute eher beleidigend klingt. Ich war in Namche Bazar unterwegs, einem Sherpaort. „Sherpa“ bedeutet „die aus dem Osten“ und nicht wie immer angenommen wird „Träger“. Dieses Wort ist heute eher beleidigend. Man nimmt an, dass die Sherpa im 16jh aus Osttibet in das Land kamen. Heute leben rund 32.000 von ihnen hier, viele von ihnen in traditionellen Sherpahäusern. Das bedeutet sie haben unten einen Stall für die Tiere, darüber eine Küche und einen großen Wohnraum in dem gegessen, geschlafen, gebetet und meditiert wird. Es ist ein einfaches Leben und wer in den Genus kommt auch nur einmal von einer Familie zu einer Portion traditioneller „Momos“ (Teigtaschen mit Gemüse) eingeladen zu werden, der versteht ihren Lebensinhalt.
Buddha ist in ihren Herzen. Es ist die Bestimmung, der größte Wunsch eines jeden Sherpa in den höchsten Bergen der Welt zu arbeiten. Sie zu sehen ist schon ein Traum vieler. Als „Träger“, also Guide oder Gipfelguide zu arbeiten ist ein weitverbreiteter „Beruf“ und dies muss nicht unbedingt in extremen Höhenlagen sein. Es reicht schon weiter unten diese unvorstellbare Leistung zu erbringen. Diese Menschen sind robust, extrem stark und lächeln immer. Manche von Ihnen tragen heben 45kg Baumaterial, Ausrüstung oder Essen auf ihre Schultern und tragen diese 12 Tage oder länger umher. Dafür bekommen sie 1000Rupien, was etwas 9€ entspricht. Ich frage mich, warum diese Menschen bei dieser Arbeit immer noch lächeln? Das Leben ist hier wie auch in vielen anderen Regionen der Welt nicht einfach. Hier streitet man sich nicht über die neusten Schuhe oder teuren Schmuck. Hier ist es wichtig einfach nur eine volle Mahlzeit und ein kleines Haus seiner Familie bieten zu können. Die junge Generation träumt natürlich von einem Studium in Kathmandu. Viele können sich dies allerdings nicht leisten, auch wenn sie die härtesten Arbeiten annehmen. Es gibt sogar heute noch einen letzten Sherpa aus dem legendären Jahr 1953 in Namche Bazar. Ich hörte, dass er damals in 1953 an 3 Tagen Arbeit nur 2 Tassen Tee bekam, dazu Schuhe, Hosen und einen Schlafsack. Sauerstoff durften sie selbst in 8000m Höhe nicht benutzen, da dieser nur für die „Fremden“ gedacht war. Damals gab es pro Tag kaum Geld, es waren sehr schlechte Bedingungen und auch heute wird noch berichtet, dass viele Sherpas mit Geld gelockt werden, um extreme Arbeit zu verrichten, welche ihre Gesundheit noch schneller ruiniert. Warum werden Menschen von höchster Freundlichkeit, von absoluter Ehrlichkeit und Treue so verheitzt und verbraucht? Zum Glück gibt es heute aber auch vernunftorientierte Organisationen, die den Bergführern eine positive Arbeitswelt bieten. Mir wird klar, dass es dies nicht nur in „unserer“ Welt gibt, sondern auch hier in den Bergen. Die Sherpa sehen ihre Aufgabe darin, den Fremden auf den Gipfel zu bringen. Sie helfen jede Sekunde, jeden Höhenmeter. Sie beten im Basislager dafür, dass nichts passiert und niemand zu Schaden kommt. Sie tragen enorme Lasten und verlieren nie ihre Fröhlichkeit. Auch wenn die Zukunft dieser Menschen zerbrechlich ist, so entstand ein verzweifelter Kampf die untergehende Kultur und Sprache zu retten und die ganze Situation mit fairen Mitteln aufrecht zu erhalten. Und dies finde ich wunderbar. Denn, sollte die Kultur und Sprache verschwinden, dann verschwinden auch die Sherpas und mit ihnen die Möglichkeit auf die Dächer der Welt zu steigen. Ohne nepalesische Bergführer – keine Bergbesteigung. Doch trotz dieser Aussichten und Situation lieben die Bergführer die Berge, ihre Heimat, ihren Beruf in, um und auf der Muttergöttin der Erde.
Während ich einige Wanderungen unternahm und immer wieder in Gedanken über diese wundervollen Menschen versank begegnete ich einer Gruppe Männern mit leichten Rucksäcken und dicker Bekleidung. Sie grüßten mich freundlich und machten sich, so erfuhr ich später, auf eine Reise um Honig zu finden. Wilder Honig ist ein gutes Mittel um Geld zu verdienen. Man muss sich vorstellen das das Leben dieser Menschen eigentlich ein Leben am Limit ist oder ein Überleben am Abgrund. Denn die Berge sind hier überall. Es sind harte Bedingungen unter welchen die Menschen hier einfachen Ackerbau betreiben. Mais, Hirse und Kartoffeln werden angebaut. Yaks liefern Milch für Butter und Käse. Alles wird in Handarbeit erledigt. Das Leben ist unterteilt in den Alltag der Frau mit Arbeiten und Gebeten, die Männer sind in den Schluchten und auf den Bergen unterwegs, um ihre Familien zu versorgen. Wenn ich durch dieses Paradies laufe, lausche ich den Vogelstimmen, bin beeindruckt von den Aussichten, den majestätischen Bergen. Doch für diese Menschen ist es die einzige Möglichkeit für ihre Familien zu sorgen. Armut ist hier relativ formuliert. Besitz zählt nicht zu Reichtum, wenn das Herz das größte gut ist. Und wer dieses verloren hat, der ist bitterarm. Die Männer sind oft tagelang unterwegs. Klettern enorme Höhen um einen Bienenstock mit Rauch zu betäuben und das flüssige Gold zu ernten. Auf ihren Wanderungen sitzen sie oft Abends zusammen, entfachen ein Feuer aus „Pura-Pura“ Sträuchern, um die Stechfliegen abzuhalten und eine wärmende Flamme zu haben, kochen sich Dhal-Bat aus Reise, Bratkartoffeln, Linsen, Fleisch und Curry und singen gemeinsam gegen die Sehnsucht nach Hause an, welche sie jede Nacht aufs Neue in ihren Träumen heimsucht.
Während die Sonne die Berge in warmes Licht taucht sitze ich mit einer Tasse Tee vor meiner Lodge und denke über diese Menschen nach. Für manche verwandelt sich der Tag am Abend in eine Welt voller Romantik und lässt die Vorfreude auf einen neuen Tag wachsen. Für andere ist es ein blutiger Untergang der Sonne, welche verzweifelt versucht ihr Überleben zu sichern, bevor die Hässlichkeit der Nacht sie verschlingt. Wieder andere, wie ich, denken über den Tag nach und träumen bei Tagesanbruch an einen neuen Horizont und neue Möglichkeiten. Doch dort draußen sitzen auch irgendwo die tapferen Männer um ein wärmendes Feuer und singen gemeinsam gegen die Einsamkeit an, welche sie wohl für immer begleiten wird in ihrem Kampf mit dem Leben, welches sie so sehr lieben. Ich glaube man kann diese Perspektive erst verstehen, wenn man dies alles hier mit eigenen Augen sieht.
So lange wir uns in unseren Häuserschluchten verstecken und schon über 100m Fussweg zum Supermarkt lamentieren, so lange werden wir die Andersartigkeit der Welt nicht begreifen und können sie nicht ändern, nicht heilen, nicht ein kleines Stück besser machen. Wenn wir allerdings aufbrechen und diese Eindrücke und Erfahrungen sammeln, dann können wir wachsen. An uns selber und in diese Welt hinein. Vielleicht wird die Welt dadurch ein Stück besser. 

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