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Montag, 25. Januar 2016

Neulich am Annapurna.

Der Blick auf die Südwand....um ehrlich zu sein war dies der einzige Grund, warum ich diese Reise unternahm. Ich bin schon viel gewandert, viel geklettert, trainiere regelmäßig und bin die Höhe gewöhnt, sonst hätte ich diese Reise nicht gewagt. Allerdings und auch wenn ich für diese Reise eine bestimmte Grundkondition benötigte, war ein sportlicher Antrieb nicht der Grund. Nein, ich wollte einmal auf den kleinen Spuren meiner Helden unterwegs sein. Die Reise war kompakt, abgestimmt, bis ins Detail geplant und meiner Meinung nach auch nach meinem Geschmack. Doch keine Planung der Welt hilft was im Innern des Menschen vor sich geht, wenn er die Wahrheit vor sich sieht. Tagelang wanderten wir entlang reißender Flüsse, tiefer Schluchten, durch magische, heilige Wälder voller Eichen, Magnolien und Rhododendren. Vögel säumen die Wälder. Wir wandern von Tadapani nach Chomrong, von Chomrong nach Himalayan, tausende Meter in die Höhe mit nur einem Gedanken, die Südwand. Es steckt kein Gedanke an Abenteuer dahinter, keine Ambition des Wettbewerbs. Es ist ebenso Genuss, wie Traumleben welches ich verfolge. Angekommen am Machhapuchare Base Camp sind wir auf 3700m. Morgen soll der große Tag sein, Morgen werde ich die Südwand aus nächster Nähe sehen.
Ich schreibe recht wenig über diese Reise, schreibe wenig Eindrücke auf, zu schwer erweist sich mir die Formulierung meiner Worte. Ich möchte einfach nur ankommen.

Der Morgen ist nicht mal in Reichweite und wir sind schon auf den Beinen. Bevor Wolken oder Nebel aufziehen, bevor die Temperaturen steigen und die Gefahr für Lawinen steigt, ziehen wir los.
Es geht auf 4130m. Das Basecamp liegt am Fuße der Randmoräne des Annapurna Gletschers. Und hier bin ich nun. Direkt dort wo 1970 einer der für mich eindrucksvollsten und entspanntesten Bergsteiger als Erster die schwierige und mörderische Südwand bis zum Gipfel des Annapurna durchstieg. Eine Meisterleistung...damals. Geboren in England in 1933 begann seine Bergsteigerkarriere als er gerade in der Ausbildung zum Klemptner steckte. Angefangen hat er in den „Pennies“ (Rückrad von England/Berge im Norden des Landes), durchstieg die schwierige „Sassanach-Route“ am Ben Nevis (Schottland) und dies bereitete seinen Weg vor. Neben Felsklettern stieg er ebenfalls im Bereich des Alpinismus ein und schaffte in 1961 die Erstdurchsteigung des 500m hohen Freney-Zentralpfeilers am Mont Blanc. 1963 zog es ihn nach Patagonien um den Central Tower of Paine (2460m) zu bezwingen.Weitere Gipfel sollten folgen. In 1970 war es dann soweit. Zusammen mit Dougal Haston gelang ihm nach langer Vorbereitung die Erstdurchsteigung der 3000m Südwand des Annapurna. Dies war ein Triumph, ein Erfolg von dem aus dem mehrköpfigen Team nur Whillans und Haston profitierten. Gleich bei der Planung zur Besteigung sagte das Team, dass sie aus den besten britischen Bergsteigern bestehen und wenn dann nur die schwere Route nehmen werden. Sie waren wilde Hunde, bereit für Abenteuer. Auch wenn Whillans immer ein besorgter, umsichtiger Kletterer war und auch an Gipfel und Bergen scheiterte, z.B. am Cerro Torre, am Eiger und auch am Mount Everest selbst, so spielte er im Kletterteam immer auf Sicherheit und verlangte nie nach der Sucht des Gipfels, um über das Leben seiner Kameraden hinweg zu entscheiden. Doch so umsichtig er war und so viele Abenteuer er überstanden hat, so dachte er über Vorsicht für sein eigenes Leben nicht nach. Don Whillans war zäh, er war unheimlich robust und mental extrem stark. Selbst in der Gipfelzone des Annapurna ernährte er sich nur von Schneewasser und Tabak. Er war starker Raucher, Alkohol in Massen verschmälerte er nie. Der Lebensstiel war nicht gerade vorbildlich. Doch er hatte Humor, er hatte ein dickes Fell und war wohl der beste Kletterkamerad den man sich vorstellen konnte. Viele erinnern sich an seine Aktionen und Sprüche, z.B. wie er auf einer Tour das Buch „Der Herr der Ringe“ in die Hände bekam und es wegwarf mit den Worten: „So´n Schrott lese ich nicht. Da stehen ja nur Märchen drin.“ In einer letzten Aufnahme vor seinem Tod in 1985 sagte er bei seiner letzten Bergtour seines Lebens: „Um wieder die Fitness wie früher zu erlangen muss ich regelmäßig trainieren, keine 3 großen Mahlzeiten am Tag essen, keine 6 Pints Bier trinken und weniger rauchen.“ Darauf der Reporter: „Du wirst aber nicht in Erwägung ziehen das zu tun, oder?“ Darauf Don: „Nein definitiv nicht.“ Don Whillans starb im Alter von nur 53 Jahren an einem Herzinfarkt. Viele behaupten, dass sein Lebensstil in umgebracht hat.
Don Whillans war für mich die entspannte Art Bergsteiger. Jemand mit dem man einfach Spass am Klettern haben konnte. So wahr ich kein Bergsteiger bin aber gerne wandern gehe, berührt mich der Anblick auf die Südwand des Annapurna in Erinnerung an große Taten von großen Menschen an diesem Berg. Eine Nacht werden wir auf dieser Höhe verbringen. Morgen beginnt der Abstieg. Meine Gedanken kreisen um jene Abenteurer die hier ihre Befriedigung, ihr Glück, ihr persönliches Abenteuer suchten. Auch ich bin einer von ihnen. Ich werde mich hüten mich in Todeszonen und Felsüberhänge zu begeben aber ich wandere auf ihren Spuren. Und dies ist wunderbar. Es ist gut zu wissen, dass wir heute in einer Zeit leben, in der wir überall sein können, auch auf den Pfaden der Geschichte. Ich lernte dies zu schätzen auf meiner kleinen Reise zum Annapurna. 

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